Mittwoch, 25.03.2026

Marcelo Brodsky im Kunsthaus Wiesbaden: Erinnerung an die argentinische Militärdiktatur

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Das Kunsthaus Wiesbaden zeigt von Donnerstag, 26. März, bis Sonntag, 28. Juni die Ausstellung Memory in Action: Marcelo Brodsky. Die Schau erinnert an den Militärputsch in Argentinien vor 50 Jahren und versammelt Werke des argentinischen Künstlers und Menschenrechtsaktivisten Marcelo Brodsky, der für seine Auseinandersetzung mit kollektiver Erinnerung und Aufarbeitung bekannt ist.

Fotografie als Zeugnis und Erinnerungsarbeit

Marcelo Brodsky hat internationale Aufmerksamkeit mit dem Fotoessay "Buena Memoria" aus dem Jahr 1997 erlangt. Darin dokumentiert er die Deportation und Ermordung mehrerer Klassenkameraden sowie seines Bruders Fernando Brodsky während der Militärdiktatur. Ein zentrales Objekt der Ausstellung ist das Klassenfoto "La Clase", das als ikonisches Mahnmal gegen das Vergessen gilt. Brodsky nutzt fotografische Materialien, etwa das heimlich aus dem Folterzentrum ESMA geschmuggelte Foto seines Bruders, und verwandelt sie in künstlerische Zeugenschaft.

Mit seinen Arbeiten betreibt Brodsky nicht nur künstlerische Reflexion, sondern leistet einen Beitrag zur argentinischen Erinnerungspolitik. Seine Interventionen zielen auf Rekonstruktion von Erinnerungen, Dokumentation der Verbrechen und die Forderung nach Recht und Aufarbeitung.

Ausstellung, Eröffnung und Vermittlungsangebote

Die Eröffnung findet am Mittwoch, 25. März, um 19 Uhr statt. Zur Eröffnung werden der Kulturdezernent Dr. Hendrik Schmehl, Marcelo Brodsky und der Kurator Prof. Dr. Márcio Seligmann-Silva erwartet. Die Ausstellung selbst ist vom 26. März bis 28. Juni geöffnet.

Begleitend bietet das Kunsthaus ein umfangreiches Programm an. Öffentliche Führungen mit Jessica Neugebauer-Boscheck sind angesetzt am Donnerstag, 9. April um 18 Uhr, am Sonntag, 26. April um 15 Uhr, am Donnerstag, 11. Juni um 18 Uhr sowie am Sonntag, 17. Mai um 14 Uhr und 16 Uhr. Eine Kuratorenführung mit Prof. Dr. Márcio Seligmann-Silva findet am Donnerstag, 28. Mai um 18 Uhr statt.

Für Schulen werden Führungen ab der 9. Klasse angeboten. Außerdem sind Führungen für seheingeschränkte und gehörlose Besucherinnen und Besucher auf Anfrage möglich. Weitere Informationen und Anmeldemöglichkeiten veröffentlicht das Kunsthaus auf seiner Website unter www.wiesbaden.de/kunsthaus.

Begleitveranstaltungen und Kooperationen

Im Rahmen der Ausstellung veranstaltet das Kunsthaus mehrere öffentliche Formate. Am Samstag, 11. April, findet von 19 bis 24 Uhr eine kurze Nacht der Galerien und Museen statt, bei der die Ausstellung und die Ateliers im historischen Altbau geöffnet sind. Am Donnerstag, 21. Mai um 19.30 Uhr liest Michael Roth aus seinem Buch Zonen der Angst, im Gespräch mit Alexandra Eisen. Am Mittwoch, 17. Juni um 19 Uhr diskutieren Wolfgang Kaleck, Rechtsanwalt und Gründer des European Center for Constitutional and Human Rights, und Michael Alvarez Kalverkamp zum Thema Kampf gegen die Straflosigkeit. Letzterer wird per Live-Zuschaltung aus Buenos Aires teilnehmen.

Die Ausstellung entstand in Kooperation mit Mishpocha: The Art of Collaboration des Jüdischen Museums Frankfurt, der Heinrich-Böll-Stiftung, der Jüdischen Gemeinde Wiesbaden und im Rahmen der WDC 2026. Das Kunsthaus positioniert die Schau als Fortsetzung seines Schwerpunkts Demokratieforderung durch Erinnerungskultur, der sowohl die Erinnerung an die Shoah als auch an andere Unrechtsregime umfasst.

Kontext und Wirkung

Die Präsentation in Wiesbaden knüpft an eine überregionale Debatte über Erinnerung und Recht an. Brodskys Arbeiten sind Teil einer künstlerischen Praxis, die strafrechtliche Verfolgung, gesellschaftliche Anerkennung der Opfer und die öffentliche Erinnerung verbindet. Die Ausstellung macht diese Verknüpfung sichtbar und stellt die Frage nach Erinnerung als Bestandteil demokratischer Kultur.

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