Freitag, 14.08.2026

Kostheim: Neues autofreies Quartier mit 222 Wohnungen und kalter Nahwärme startet

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In Kostheim ist am 13. August der symbolische Baubeginn für ein neues Wohnquartier gefeiert worden. Die Wiesbadener Wohnbaugesellschaft GWW plant bis Ende 2028 acht Mehrfamilienhäuser mit insgesamt 222 Mietwohnungen auf einer Gesamtwohnfläche von rund 18 529 Quadratmetern. Bei der Veranstaltung waren Oberbürgermeister Gert Uwe Mende, Baudezernent Andreas Kowol, Sozialdezernentin Dr. Patricia Becher sowie Vertreterinnen und Vertreter der Stadtpolitik und beteiligter Unternehmen anwesend.

Projekt und Zeitplan

Das Vorhaben wird in drei Bauabschnitten realisiert. Der erste Abschnitt an der Bahnlinie umfasst 74 Wohnungen in drei Häusern sowie zwei Clusterwohnungen mit jeweils sechs Appartements. Die Fassaden der Gebäude sind als Holzfassaden geplant. Verantwortlich ist das Architekturbüro ROSA WIRTZ ARCHITEKTUR PARTG MBB.

Der zweite Abschnitt zur Kostheimer Landstraße sieht 115 Wohnungen in drei Gebäuden vor. Zusätzlich sind dort eine Gewerbeeinheit, ein Coworking Büro und eine neue GWW Außenstelle geplant. Die Planung für diesen Abschnitt stammt von ENDERSWEISSBANGERT Architekten und Stadtplanern. Im dritten Abschnitt entstehen 33 Wohnungen in zwei Häusern, darunter Maisonettewohnungen. Für die Mitte des Quartiers ist ein Kopfbau mit einer zweigeschossigen, viergruppigen Kita vorgesehen. Vor der Kita wird ein Quartiersplatz mit Wasserspiel und Sitzangeboten angelegt. Die Gestaltung verantwortet das Büro KISSLER EFFGEN + PARTNER.

Energieversorgung, Regenmanagement und Mobilität

Die GWW betont, dass das neue Quartier nachhaltig konzipiert wird. Auf den Flachdächern sind großflächige Photovoltaikanlagen vorgesehen, um Mieterstrom anbieten zu können. Für die Wärmeversorgung errichtet ESWE ein sogenanntes Kaltes Nahwärmenetz. Dazu werden 120 Erdwärmesonden bis zu einer Tiefe von 110 Metern installiert, aus denen Umweltwärme entnommen wird. Dezentrale Wärmepumpen bringen die Energie auf das benötigte Temperaturniveau. Im Sommer kann überschüssige Wärme ins Netz zurückgespeist und im Erdreich gespeichert werden. Ein Vertreter von ESWE erklärte, das System verbinde Klimaschutz, Versorgungssicherheit und Komfort und ermögliche eine ganzjährige, fossile freie Versorgung mit Wärme und Kühlung.

Alle Gebäude sollen intensive Dachbegrünungen erhalten, die als Retentionsdächer dienen. Regenwasser wird über Mulden und Rigolen auf dem Grundstück versickert und damit den Pflanzen zugutekommen, statt bei Starkregen die öffentliche Kanalisation zu belasten. Das Quartier ist als autofrei geplant. Pkw Stellplätze werden in einer Hochgarage am Quartierseingang konzentriert und mit Ladestationen für Elektroautos ausgestattet. Zur Förderung alternativer Mobilität sind Angebote für Carsharing, Lastenräder mit Elektroantrieb und Leihfahrräder vorgesehen. Baudezernent Andreas Kowol unterstrich, dass Wärmepumpen und die hauseigene Photovoltaik die Energieversorgung zukunftssicher gestalten und öffentlich zugängliche Flächen mit Ladestationen geplant sind.

Soziale Ausstattung und neues Bürgerhaus

Die GWW plant, 67 der 222 Wohnungen über das Hessische Ministerium für Wirtschaft, Energie, Verkehr, Wohnen und ländlichen Raum fördern zu lassen. Das entspricht einer Förderquote von rund 30,2 Prozent. Oberbürgermeister Gert Uwe Mende hob in seiner Rede hervor, dass damit ein Beitrag zur Entlastung des angespannten Wohnungsmarktes geleistet werde und Wohnungen für unterschiedliche Lebenssituationen angeboten werden sollen. Hessens Wirtschaftsminister Kaweh Mansoori betonte die Bedeutung bezahlbaren Wohnens und lobte das Projekt als Beispiel für sozialen und ökologischen Wohnungsbau.

Begleitend entsteht das neue Bürgerhaus für Kastel und Kostheim in unmittelbarer Nachbarschaft. Es soll einen etwa 765 Quadratmeter großen Veranstaltungssaal für bis zu 800 Personen sowie Räume für Vereine, die Volkshochschule und einen Mehrgenerationentreff bieten. Der Leiter des Hochbauamts verwies auf den Einsatz ökologisch zertifizierter Baustoffe und die Leitlinien der Stadt für nachhaltiges Bauen.

Die Sozialdezernentin Dr. Patricia Becher verwies auf die Kombination aus Wohnraum und Alltagsangeboten: Kita, Quartiersplatz, Sportangebote auf dem Garagendach und die neue GWW Außenstelle sollen Alltag und Nachbarschaftsleben unterstützen. GWW Geschäftsführer Thomas Keller betonte die Rolle von Photovoltaik und die autofreie Planung zur Erhöhung der Wohnqualität.

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